Geschichte der Wallfahrtskirche Maria Schnee:

Im Anfang wohl nur eine kleine Pestfriedhofskirche, wandelte sich die Kapelle mit dem Einzug des Gnadenbildes (um 1510) zur Wallfahrtskirche. Der östlich der Kirche liegende Landstreifen "Die Heid", der westlich der Kirche sich anschließende Flurstreifen "auf dem Lechbichl" und die Lage an der alten Straße Kimratshofen-Landholz-Straß-Lehenbühl-Steinbach weisen auf ein hohes Alter hin. Die kleine Glocke im Dachreiter weist die Jahreszahl 1467 aus.
Um 1600 ist sie bereits das Ziel vieler Wallfahrer im Fürstentum Kempten und damit wohl die erste ihrer Art. Die ständig steigende Zahl von Wallfahrern machte sehr bald ein Neubau notwendig, der durch das erhöte Opferaufkommen finanziert werden konnte.

Am 16. Mai 1715 wurde schließlich der Grundstein für die neue Kirche etwa 500 Meter nördlich der alten Kapelle gelegt. Die Zahl 1749 auf dem Kreuz am Chorbogen lässt darauf schließen, dass in diesem Jahr die Innenausstattung der Kirche vollendet wurde.
Soweit bisher bekannt, erhielt die Lehenbühlkirche ihre heutige Gestalt über zwei Vorläuferinnen. Am Anfang entstand eine Rundkirche am östlichen Rand des Lehenbuhlhügels. Um 1660 wurde die Rundkapelle nach Westen hin geöffnet und um ein Langhaus in Nord-Süd-Richtung erweitert. 1715-1718 erhielt die Lehenbühlkirche dann im wesentlichen ihre heutige Gestalt.

Die Innenausstattung der Kirche:

Die Tatsache, dass im Spätbarock und Frührokoko die Stukkatur der Architektur und nicht zuerst der Dekoration zugehört, ist in der Lehenbuhler Kirche deutlich erkennbar. Der Plan der Stukkatur und Ausmalung schwebte dem Baumeister anscheinend schon bei der Raumgestaltung vor. Dies lässt sich aus der Tatsache schließen, dass er von Anfang an im Langhaus die geraden Flächen für die stuckumrahmten Bilderfolgen anordnete. Der Stuck verstärkt mit seinen schweren Formen das Architekturgefüge der Langhausmauern, während er die Decke durch seine hier so leichte Anordnung rhytmisiert und freier gestaltet.
Der Wechsel der Farben Weiß und Rosa besizt einen hohen Reiz und stimmungsvollen Ausdruck. Der restlos in weißer Farbe erscheinende Stuck hebt sich vor allem an der Decke wie ein Spitzentuch von den rosa Untergrundsflächen ab. Der Raum selbst ist durch seine etwas gedrungene Struktur unterhalb der Kämpferlinie bäuerlich schwer, aber Farbe und Kuppel lassen diese Schwerfälligkeit als Unterbau für die nach oben strebende Verjüngung erleben.

Die Wallfahrtskirche, die vor dem Neubau das Patrozinium Mariä Namen hatte, wurde unter dem Eindruck von 1716 (überwältigender Sieg Prinz Eugens über die Türken am 5.August bei Peterwardein) dem Sieg Mariens über die Türken geweiht. Da die entscheidende Schlacht an diesem Festtag stattfand und eine Feldmesse vor einem Maria-Schneebild die Truppen ermutigt hatte, schrieb der gläubige Mensch des Barock diesen Sieg der Gnadenvermittlung Mariens zu.

Darum finden sich in den kleinen Fresken so viele Anspielungen auf Waffen, Stärke, Sieg und Schutz. Der Sieg über die Türken wird nicht nur als militärisch-politisches Ereignis gesehen, sondern als errettung der gesamten Christenheit und als erneuter Beweis für Macht und Gnade Mariens, die der Wallfahrer auch zu seinem ganz persönlichen Anliegen erfleht.
Das Aüßere der Kirche:

Die Außengestaltung ist nicht vernachlässigt. Die Westseite ist schlicht mit fünf Flachpilastern und dem umrahmten Portal, zu dem drei Stufen führen, gegliedert. Fein geschwungen ist der Giebel mit vier aufliegenden Kugeln, der beiderseits in lockerer Schneckenform endet. Das Türmchen ist in Viereckform gehalten.
Um die übrigen drei Seiten der Kirche zieht sich eine Flachpilasterordnung. Die Wände sind wie der Sockel rauh beworfen, während die Flächen der Pilaster glatt sind. Die Nordseite weist drei kleine, fast runde Anbauten auf, von denen einer den Kanzelaufgang bildete. Der Chor ist etwas eingezogen und das Chordach seitlich leicht überhöht. Die Kirche steht weithin sichtbar in dem fast ebenen Feld.

Würdigung:

In den süddeutschen Spätbarock dringt hier erstaunlich früh das Frührokoko ein. Die Kirche zeigt, wie selten ein Gotteshaus kleinerern Formates, den Übergang vom Spätbarock zum frühen Rokoko. Die Wallfahrtskirche Lehenbühl ist ein Werk der Volkskunst, aber nicht im Sinne naiver Bauernmalerei, sondern als Gemeinschaftswerk einer Gruppe von Künstlern und Geistlichen, deren Namen nur noch zum Teil festzustellen sind.

Anzunehmen ist, dass der Erfinder des reichen und wohldurchdachten ikonologischen Programms (jedenfalls ein Geistlicher), sich nicht nur auf dieses beschränkt hat, sondern wie in anderen Fällen nachgewiesen, die Baugestaltung entscheidend bestimmt hat.
So dürfte zum Beispiel die Anlage des emblematischen Freskenfrieses auf den Programmentwerfer zurückgehen. Dieser flächenhafte Bilderstreifen zwischen Wand und Wölbung aber ist die wesentliche Neuerung des Innenraums der Kirche von Lehenbühl.

Die Gestalter des Baues, Programmentwerfer, Architekt Stukkator und Maler standen auf der Höhe der geistig-künstlerischen Entwicklung ihrer Zeit und Landschaft; sie schufen in Anlehnung an die heimatliche Überlieferung einen Raum, der in seiner zarten, harmonischen Übereinstimmung von Architektur, Stuckdekoration und Fresko auf die großen Kirchenräume des schwäbisch-bayrischen Rokoko vorausweist.

© Hugo Schnell - Ludwig Dorn - Xaver Hofmann

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